• Rückblick 20 Jahre Förderverein

  • Anlässlich des 200. Geburtstages der Brüder Grimm, die 1785 und 1786 in Hanau geboren wurden, fanden in Hanau 1985 erstmals, Dank der Initiative von Henrik Helge und der Unterstützung des damaligen Oberbürgermeisters Helmut Kuhn, die Festspiele im Park von Schloss Philippsruhe statt. Diese waren gleich so erfolgreich, dass aus dieser nur einmal gedachten Veranstaltung im nächsten Jahr erneute Aufführungen folgten und sodann in der Folge jedes Jahr. Die Brüder Grimm Märchen-Festspiele, wie sie damals noch hießen, waren geboren.

    Dass aus diesem kleinen Entlein einmal ein strahlender Schwan werden würde, hätte Niemand geglaubt. In den Anfängen war alles noch sehr einfach und improvisiert. Es wurde vor und hinter dem Schloss gespielt. Die Zuschauer saßen im Freien auf Bierbänken, auch bei Regen, an eine Überdachung war noch nicht zu denken. Ich sehe sie heute noch in gelben „Friesennerzen“ sitzen, sich nicht vom Regen abhalten lassend. Die Schauspieler waren oft nass bis auf die Haut. Es gab noch keine Garderoben, ein Bauwagen diente zum Umziehen. Toiletten waren ein Wunschtraum und die hohen Büsche mehr als wichtig. Die Kostüme wurden von unserer, von Anfang an bei den Festspielen dabei, wunderbaren Ulla Röhrs gezaubert, anders kann man es nicht nennen. Ihr Verdienst ist gar nicht hoch genug zu würdigen, wie sie aus alten Theaterkostümen etwas zusammen schneiderte oder von Kostümverleihen Kostüme zusammenstellte. Noch heute habe ich den Geruch und den Anblick dieser alten Kostümen vor Augen und ich wusste, da musste bald etwas geschehen, denn gerade in Märchen lebt man von der Illusion der märchenhaften Kostüme.

    Da ich fast von Anfang an als Schauspielerin bei den Festspielen dabei war und sozusagen hautnah mitbekam, was alles fehlte, wurde mir sehr schnell bewusst, dass wir einen Förderverein brauchten. Die Festspiele wurden immer besser angenommen, die Zuschauerzahlen stiegen und unsere guten Aufführungen sprachen sich herum. Von meiner Idee einen Förderverein zu gründen, versuchte ich den damaligen Kulturdezernenten Klaus Remer und Herrn Dr. Günter Rauch bei vielen Treffen und Gesprächen zu überzeugen. Als dann auch noch Udo Major mit seinen Kontakten zu vielen Apothekern für die Idee zu gewinnen war, konnte am 22. Juni 1996 der Förderverein Brüder Grimm Märchen Festspiele ins Vereinsregister eingetragen werden. Ein stolzer Moment. Viel ist Udo Major zu verdanken, der er schaffte, bald 400 Mitglieder zu gewinnen. Mit Essens-Einladungen, Premierenfeiern etc. sammelte er einiges an finanziellen Mitteln ein.

    Im Jahre 2001 übernahm ich den Vorsitz im Förderverein. Wichtige Ziele waren endlich geeignete Garderoben, Duschen und Toiletten für die Schauspieler zu schaffen. Eine Überdachung lag noch in weiter Ferne. Die Garderobensituation war einfach unwürdig, das hatte nichts mehr mit Romantik im Bauwagen zu tun. Immerhin waren wir jetzt im Schloss. Von Zimmer zu Zimmer zogen wir, die Schneiderei, der mittlerweile größer werdende Kostümfundus, alles immer noch sehr behelfsmäßig. Nicht vergessen werde ich unsere beiden kleinen Räume unter dem Dach, in denen alle zusammen hausten, die Schneiderei, die Schauspieler, die sich mit drei Garderobentischen zufrieden geben mussten, ein Bad mit Toilette, vor dem immer eine Schlange wartete … Männlein und Weiblein alle zusammen. Für uns Schauspieler eine vertraute Sache, aber nie werde ich die Blicke unserer jungen und fleißigen türkischen Schneiderinnen mit Kopftuch vergessen, die morgens züchtig von ihren Vätern zur Arbeit gebracht wurden. Und dann marschierten unsere halb nackten Schauspieler – sie mussten sich ja umziehen – durch die Garderoben. —– Wenn das die strengen Väter gesehen hätten.

    Ich bin immer davon ausgegangen, was man möchte, das erreicht man. Die nächste Station war im Schloss ein größerer Raum im ersten Stock. Und wir schafften es, dass zwei Duschen und Toiletten eingebaut wurden. Mittlerweile spielten wir im Baumgarten am Brunnen. Ein idealer Platz, aber doch recht weit von der Garderobe im Schloss entfernt. Auch wenn es ein schöner Anblick war, wenn die Schauspieler in ihren Kostümen durch den Park zu den Auftritten eilten. Ich hatte einen Garderobenwunsch: das wunderschöne historische alte Teehaus nahe unserer Spielstätte am unteren Ende des Parks. Es stand und steht immer noch unter Denkmalschutz und ich glaube, man hielt uns für verrückt, mit der Idee aus dem Teehaus eine Künstlergarderobe zu machen. Immer am Ball bleibe – nie aufgeben. Und der Förderverein hat es geschafft. Wir haben die schönste und romantischste Künstlergarderobe weit und breit. Nach zähen Verhandlungen mit der Stadt wurde renoviert und das fast nicht Denkbare, Duschen und Toiletten wurden eingebaut. Ein Prachthaus als Künstlergarderobe mit den besten Künstlergarderobentischen nahe der Spielstätte. Wenn die Künstler von heute wüssten, was der Förderverein für Kämpfe hinter sich hat, das Teehaus für die Festspiele genehmigt zu bekommen.

    Kostüme, ein ganz, ganz wichtiges Thema. Wie schon anfangs erläutert, Märchen und märchenhafte Kostüme gehören zusammen. Dank der Sparkasse Hanau durfte der Förderverein in der Hauptstelle am Markt Kostüme ausstellen mit Figurinen von Ulla Rohrs. Patenschaften für ein Kostüm waren der Renner. Wir finanzierten für Ulla Röhrs, den wunderbaren Regisseur Marc Uruquart sowie seinem indischen Freund, die zusammen nach Indien flogen, den Kauf von wirklichen Märchenstoffen aus Seide, mit Perlen bestickt und in herrlichen Farben. In vielen Koffern reisten diese Kostbarkeiten nach Deutschland. Es entstanden dank Ulla Röhrs und ihren fleißigen Schneiderinnen Kostüme, die bald in aller Munde waren und auch heute noch sind.

    Um Geld einzutreiben veranstaltete der Förderverein im Comoedienhaus in Wilhelmsbad Aufführungen wie beispielsweise „Geliebter Lügner“ von Bernhard Shaw. Künstler wie das Kottmann –Trio oder Walter Renneisen traten kostenlos auf.

    Die Liste, was der Förderverein alles unternahm, um die Festspiele zu unterstützen lässt sich noch lange fortsetzen, von der immer währenden Bettelei nach finanzieller Unterstützung ganz zu schweigen …. Das war viel Mühe und Arbeit. Rückblickend denke ich manchmal, ohne den Einsatz des Fördervereins wären die Festspiele wahrscheinlich nicht dort, wo sie heute sind. Niemand hätte diesen Erfolg erwartet. Sie sind, wenn man so sagen kann, erwachsen geworden.

    Ursula Ruthardt